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Kieler Nachrichten – 24. Januar 2026

Autor Christian Hirsemenzel, 23.01.2026, 17:29 Uhr:
Die Bundeswehr bleibt an Schleswig-Holsteins Schulen präsent: Eine neue Vereinbarung ermöglicht Jugendoffizieren, sicherheitspolitische Themen zu vermitteln. Doch nicht alle sind mit dem Vorhaben einverstanden.

Kiel. Bildungsministerin Dorit Stenke (CDU) und der Leiter des Landeskommandos, Oberst Michael Skamel, haben am Freitag in Kiel eine Kooperation zwischen dem Land und der Bundeswehr um vier Jahre verlängert. Ziel ist es, den Besuch von Jugendoffizieren an Schleswig-Holsteins Bildungseinrichtungen zu befördern – nicht nur an den allgemeinbildenden Schulen, sondern auch an den Hoch- und Berufsfachschulen.

„Wir haben eine andere Situation als in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten“, sagte Stenke nach der Unterzeichnung in ihrem Dienstzimmer. Ziel sei es, Schülerinnen und Schüler, Lehrer und Eltern in Schleswig-Holstein über die sicherheitspolitische Lage und Fragen der Wehrpflicht umfassend zu informieren. „Es geht um ein Signal, dass wir die Kooperation mit der Bundeswehr vorantreiben und weiterentwickeln wollen.“ Um geeignete pädagogische Formate zur Bildung zu entwickeln, habe das Ministerium das landeseigene Lehrerbildungsinstitut IQSH mit an Bord genommen.
Oberst Skamel sprach davon, dass die Bundeswehr ihren Auftrag zur politischen Bildung wahrnehme. „In diesem Rahmen ist es das Privileg der Jugend, Ja-aber zu sagen.“ Natürlich seien bei den Besuchen stets auch Lehrkräfte anwesend. Letztlich gehe es aber darum, mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen, gegebenenfalls auch kontrovers.

Jugendoffiziere an Schulen: Politische Bildung im Fokus
Deutschlandweit verfüge die Bundeswehr über 94 Dienstposten für Jugendoffiziere, in Schleswig-Holstein seien es vier – in Husum, Kiel, Appen (Kreis Pinneberg) und Eutin. Man habe im vergangenen Jahr auf etwa 200 Veranstaltungen 4500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer von der Sekundarstufe I bis zur Berufsschule erreicht. Skamel: „Im Gegensatz zu den Inhalten haben sich die politischen Rahmenbedingungen verändert.“

Wir haben eine andere Situation als in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten.
Dorit Stenke (CDU) Bildungsministerin in SH

Jugendoffizierin Kristina Ciorceri (40) aus Husum berichtete von durchweg positiven Erfahrungen. Ihre Arbeit bestehe nicht darin, für die Bundeswehr eine ultimative Werbeshow zu veranstalten, weil ihr das die jungen Leute ohnehin nicht glauben würden. „Die Diskussionen kreisen vielmehr darum, wie wir unsere Demokratie schützen; es geht um Antisemitismus, politische Radikalisierung, Desinformationskampagnen und eine Gesellschaft unter Druck.“ Die neue Kooperationsvereinbarung sei im Übrigen „ein Vertrauensvorschuss, der uns manche Türen öffnet“.

Kritische Stimmen: Friedensaktivisten gegen Bundeswehrpräsenz
Vor dem Kieler Ministerium demonstrierten am Freitag einige Friedensaktivisten.„Wenn Sie einen Maurer bitten, Ihnen ein Haus zu bauen, baut er Ihnen eines aus Stein“, sagte Erland Müller von der Kieler Ortsgruppe der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner. Ein Zimmermann baue ein Haus aus Holz. „Und wenn Sie die Bundeswehr fragen, wie man Frieden schafft, dann sagen die: noch mehr mörderische Waffen.“ Annette Lommel nickte. „Bundeswehr hat an Schulen nichts zu suchen, sie soll psychologisch auf Krieg vorbereiten. Das lehne ich ab.“

Vertreter der CDU-Landtagsfraktion betonten dagegen, dass die Jugendoffiziere an den Schulen weder um Nachwuchs werben noch ihn rekrutieren würden. Mit der neuen Vereinbarung sei es nun aber möglich, auch Jugendoffiziere mit Einsatzerfahrung beziehungsweise einsatzerfahrene Veteranen einzuladen. „In der heutigen Zeit geopolitischer Spannungen und Verwerfungen ist es von großer Bedeutung, dass auch unseren Schülerinnen und Schülern die Gesamtzusammenhänge der internationalen Außen- und Sicherheitspolitik erklärt werden“, sagte der Abgeordnete Rasmus Vöge.

Ähnlich bewertete es die FDP. „Der Glaube, dass wir von Freunden umzingelt sind, war bekanntermaßen ein Trugschluss“, sagte Fraktionschef Christopher Vogt. Umso wichtiger sei die Rolle der Bundeswehr als Parlamentsarmee. Allerdings erwarteten die Liberalen von der Landesregierung, den Austausch künftig besser zu begleiten. „Die Bildungsministerin hat bisher offensichtlich keinen genauen Überblick darüber, wie häufig Jugendoffiziere Schulen besuchen. Das ist ziemlich peinlich.“

Schülermeinungen: Warum die Bundeswehr an Schulen wichtig ist
Was die Schüler auf die Vereinbarung blicken? „Wir befürworten die Kooperation auf jeden Fall“, sagte Eschel Johan Ewert (17) aus Uetersen, Landesschülersprecher der Gymnasien. Immerhin gehe es um essenzielle Informationen. Das Angebot fülle eine Lücke, die die Schule nicht schließen könne. „Abgesehen davon eröffnen die Jugendoffiziere Raum für Diskussionen. Das finden wir gut.“

Positiv äußerte sich auch Renke Döhren (18) aus Tornesch, Landesschülersprecher an den Gemeinschaftsschulen. „Wir brauchen eine verteidigungsfähige Bundeswehr“, sagte er. Allerdings spreche man sich gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht aus, nötig seien alternative Dienstoptionen. Informationen aus erster Hand seien deshalb wichtig. „Die Bundeswehr ist an unseren Schulen willkommen, zumal sie gerade für junge Männer und Frauen am Ende ihrer Schullaufbahn attraktive Optionen bietet.“

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